Die Gewerbesteuer und ihre Hinzurechnungen

 

Das Thema Gewerbesteuer ist seit 2008 immer wieder ein Streitthema aufgrund der nach § 8 Gewerbesteuergesetz (GewStG) vorzunehmenden Hinzurechnungen. Was bedeutet Hinzurechnungen im Einzelnen und wen treffen sie? Für die Ermittlung des Gewerbeertrages sind als Betriebsaufwand erfasste Schuldzinsen, Mieten für bewegliche und unbewegliche Wirtschaftsgüter (z.B. Leasing) sowie Lizenzzahlungen nach dem folgenden Schema wieder hinzuzurechnen. Die Hinzurechnung zum Gewinn erfolgt, sofern die Summe der Hinzurechnungsbeträge 100.000 Euro übersteigt. Der übersteigende Betrag wird in Höhe von einem Viertel dem steuerlichen Gewinn hinzugerechnet, wie folgendes Beispiel verdeutlicht:

 

Hinzurechnungen nach § 8 Nr. 1 GewStG (in Euro)

 

 

 

 

Aufwand

 100%

Hinzurech-

nungen

 

100% der Schuldzinsen

150.000

150.000

+

20% der Mieten, Pachten (inkl. Leasing) für bewegliche

Gegenstände

75.000

15.000

+

50%  der Mieten, Pachten für unbewegliche Wirtschaftsgüter

(Immobilien)

150.000

75.000

+

25% der Aufwendungen für Lizenzen, Patente, Rechte

80.000

20.000

=

Zwischensumme

 

260.000

-

Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro

 

-100.000

=

Zwischensumme

 

160.000

x

25% = Hinzurechnungsbetrag

 

40.000

 

Da die Aufwendungen für Miet- und Pachtzahlungen sowie für Lizenzen in die Berechnung nur anteilig einfließen, trifft die Hinzurechnung wohl eher nicht den „kleinen“ Handwerksbetrieb. Doch für Mittelständler, welche ihre Betriebsimmobilie und Produktionsanlagen fremdfinanziert haben oder in Ballungszentren in angemieteten Immobilien ihr Geschäft betreiben, kann es schon anders aussehen. Das gilt auch für Unternehmen, welche ihre Produktionsanlagen geleast bzw. gemietet haben. In diesen Fällen kann schnell der Freibetrag von 100.000 Euro überschritten werden, so dass die Hinzurechnung greift und eine höhere Gewerbesteuerzahlung fällig wird.

Geht man von dem Hebesatz der Stadt Markleeberg in Höhe von 420 Prozent aus, ergibt sich eine durchschnittliche Steuerbelastung von rd. 15 Prozent und somit bezogen auf das o.g. Beispiel eine zusätzliche Gewerbesteuer in Höhe von rd. 6.000 Euro.

Steuerlich wirkt sich diese höhere Gewerbesteuer jedoch generell nur bei Kapitalgesellschaften aus. Unternehmer, die ihr Unternehmen in der Form eines Einzelunternehmens oder als Personengesellschaft führen, können die Gewerbesteuerzahlung mit dem 3,8-fachen des Gewerbesteuermessbetrages auf ihre persönliche Einkommensteuerschuld anrechnen. Somit kommt es zu keiner zusätzlichen Belastung, sofern das Unternehmen in einer Gemeinde mit max. 380 Prozent Gewerbesteuer-Hebesatz betrieben wird.

Aktuell befasst sich das Bundesverfassungsgericht mit dem Thema der Hinzurechnungen nach § 8 Nr. 1 GewStG und hat zu entscheiden, ob diese verfassungswidrig sind und rückwirkend per 2008 gekippt werden.

Bis eine Entscheidung vorliegt, sollte jeder Unternehmer prüfen, ob sich nicht Möglichkeiten ergeben, die Hinzurechnungen zu reduzieren. Sofern für ihr Unternehmen z.B. durch Miet- bzw. Pachtzahlungen für Gebäude und auch Produktionsanlagen Hinzurechnungen entstehen, ist zu überlegen, ob nicht der Kauf einer Betriebsstätte bzw. der Kauf von Maschinen und Anlagen – gerade in der aktuellen Zinssituation – aus steuerlicher Sicht, die günstigere Alternative ist?

 

Alexander Terpitz

Wirtschaftsprüfer, Steuerberater,

Leipzig