Lieber Mandant,
liebe Mandantin,

 

wir hatten Sie bereits im Zuge der E-Mail vom 04. Juni 2020 über das aktuelle Konjunkturpaket informiert. In diesem hat die Bundesregierung die Absenkung der Umsatzsteuer von 19 % auf 16 % bzw. von 7 % auf 5 % im Zeitraum 1. Juli bis 31. Dezember 2020 beschlossen. Heute möchten wir Ihnen auf Basis des Entwurfes eines begleitenden BMF-Schreibens einige Handlungsempfehlungen mitgeben.

 

Bitte beachten Sie, dass das Gesetz noch nicht endgültig vom Bundesrat verabschiedet wurde und ein finales BMF-Schreiben folgen wird.

 

 

1. Wichtig für Ihre Rechnungsstellung  

 

Entscheidend für die Entstehung der Umsatzsteuer und somit der Ausweis des Steuersatzes 19 % oder 16 % bzw. 7 % oder 5 % in der Rechnung ist grundsätzlich die Ausführung der Lieferung oder sonstigen Leistung, nicht hingegen das Rechnungsdatum.

 

Lieferungen (auch Werklieferungen) gelten dann als ausgeführt, wenn der Leistungsempfänger die Verfügungsmacht an dem Gegenstand erworben hat. Wird der Gegenstand befördert oder versendet, ist die Lieferung mit Beginn der Beförderung oder Versendung ausgeführt.

 

Die Umsatzsteuer einer sonstigen Leistung entsteht mit Vollendung der Leistung oder Teilleistung.

 

Eine Teilleistung liegt vor, wenn es sich um eine wirtschaftlich sinnvoll abgrenzbare Leistung handelt und eine Vereinbarung über die Ausführung der Leistung als Teilleistungen vorliegt sowie eine gesonderte Abnahme und Abrechnung erfolgt. Anzahlungen, Vorauszahlungen oder Zahlungen nach dem Stand der Arbeiten, sind grundsätzlich nicht als Teilleistungen zu qualifizieren.


2. Achtung bei Anzahlungen

 

Die Umsatzsteuer bei Anzahlungen entsteht im Zeitpunkt des Zuflusses, jedoch konservieren Sie niemals den Steuersatz. Entscheidend für die Beurteilung des Steuersatzes der Gesamtleistung ist, wie bereits erläutert, die Ausführung der Lieferung oder sonstigen Leistung. Wird in der Schlussrechnung ein anderer Steuersatz als in den Anzahlungsrechnungen angesetzt, sind die  Anzahlungsrechnungen zu berichtigen oder die Umsatzsteuer muss in der Schlussrechnung offen abgesetzt werden. In beiden Fällen ist eine Berichtigung der Umsatzsteuer/Vorsteuer vorzunehmen.

 

 

3. Hinweise zur Prüfung Ihrer Eingangsrechnungen und Dauerleistungen

 

Bei der Prüfung Ihrer Eingangsrechnungen in Bezug auf den anzuwendenden Steuersatz ist ebenfalls der oben dargestellte Grundsatz zu beachten. 

 

Unbefristete Dauerleistungen, wie bspw. ein gewerblicher Mietvertrag, wird in der Regel in Teilleistungen abgegrenzt (monatliche Mietzahlungen). Somit ist hier ebenfalls der abgesenkte Umsatzsteuersatz von 16 % anzuwenden. Zu beachten ist hier, dass Ihr Vermieter Ihnen eine Rechnung oder Ergänzung zum Mietvertrag für den Zeitraum 1. Juli bis 31. Dezember 2020 auszustellen hat.  Auf dieser Grundlage empfehlen wir Ihnen, Ihre eingerichteten Daueraufträge bei Ihrer Bank zu prüfen und diese ggf. für diesen Zeitraum anzupassen.

 

Leistungen aus Leasingverträgen, Telefon- und Internetverträgen sowie Stromverträgen lassen sich in der Regel ebenfalls in Teilleistungen abgrenzen. Somit ist hier ebenfalls der abgesenkte Umsatzsteuersatz von 16 % anzuwenden. Es besteht die Möglichkeit der Anbieter eine Zwischenabrechnung zu erstellen oder einen verkürzten Abrechnungszeitraum mit Ihnen zu vereinbaren, um den jeweiligen Steuersatz zu konservieren.  

 

Die Umsatzsteuer bei befristeten Verträgen entsteht zum Vertragslaufzeitende.

 

Buchungen von Übernachtungen oder Bahnfahrten für den Zeitraum 1. Juli bis 31. Dezember 2020 führen auch bereits bei Vorabzahlung zu den verminderten Steuersätzen.

 

Die PKW-Überlassung an Mitarbeiter löst für den Übergangszeitraum eine Besteuerung mit dem verminderten Steuersatz von 16 % aus.

 

 

4. Nichtbeanstandungsregelung  

 

Durch die zügige Umsetzung des Konjunkturpakets und die vielschichten Maßnahmen, die die Unternehmer umzusetzen haben (Umstellung Kassensysteme, Fakturasysteme etc.), ist ein Übergangszeitraum (aktuell für bis Ende Juli ausgeführte Umsätze) angedacht. In diesem Zeitraum ist der „Falschausweis“ nicht zu beanstanden und führt dennoch zum Vorsteuerabzug.

 

 

Wenn Sie generelle Fragen zur Absenkung der Umsatzsteuer oder spezielle Fragen zu Einzelfällen haben, bitte wir Sie uns schnellstmöglich zu kontaktieren.